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Fluglärm am Sonntagmorgen

Gedanken zu Fluglärm und Glocken

von: Manni - 11•09•12
Fluglärm am Sonntagmorgen als Bilddokument statt einer Audiodatei. Aufgenommen am 9. 9.2012 ca. 08:00 Uhr.

Fluglärm am Sonntagmorgen als Bilddokument statt einer Audiodatei.
Aufgenommen am 9. 9.2012 ca. 08:00 Uhr. Klicke hier oder auf das Bild um es zu vergrößern

Als Kind wohnte ich mit meinen Eltern in der Innenstadt von Frankfurt am Main. Fluglärm am Sonntagmorgen war uns Anfang der 60er Jahre völlig unbekannt. Nachts konnten wir ohne Donner und Rauschen tief und ungestört schlafen.

Am Sonntag weckten uns eigentlich nur die Glocken der Liebfrauenkirche und des Frankfurter Doms, wenn diese zu den Frühgottesdiensten riefen. Rund 5 Jahre später wurde der Wiederaufbau der Peterskirche abgeschlossen, die in unmittelbarer Nähe unserer Wohnung stand (Luftlinie keine 100 weit). Die gewaltigen Glocken, die uns dann weckten, empfand ich schon als eine echte Belästigung, auch wenn ich als (streng-) katholisch erzogener Knabe sowieso zur Kindermesse in die Liebfrauenkirche musste. Für mich waren damals die Glocken also eher Lärm, wenn auch immer nur kurzzeitig.

Der Fluglärm wurde auch in den beginnenden Siebzigern nicht erheblich gesteigert, da der Flughafen Frankfurt am Main weit südlich der Stadt lag und die Anzahl der Starts und Landungen sich (auch für Fluglotsen 😉 ) noch in überschaubaren Größenordnungen bewegten. Ab Mitte der 70er Jahre wurden Jets und deren Fluglärm erheblich größer und der Ausbau des Flughafens mit einer neuen Startbahn (West) von vielen Anwohnern rund um den Flughafen abgelehnt und bekämpft. Viele Menschen, auch solche, die bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht vom zunehmenden Fluglärm betroffen waren, schlossen sich dem Widerstand an, der dann nichts nützte.

Wer war denn da betroffen? Es waren nicht die Menschen, die Mitte der sechziger Jahre in der nahen Flughafenumgebung, wie z. B. in Zeppelinheim, billigen Baugrund gekauft und bebaut hatten. Schließlich waren diese Grundstücke so billig, weil sich der Flughafen in unmittelbarer Nähe befand und der Fluglärm nur mit verstopften Ohren zu ertragen war. Es waren die Bewohner, die ihre Grundstücke weit genug vom Flughafen entfernt wähnten, um nicht in den zweifelhaften Genuss des Fluglärms zu kommen.

Vor ein paar Jahren musste der Frankfurter Flughafen dann die Flugkorridore spreizen, um den durch den gesamten Ausbau gestiegenen Fluglärm, „gerecht“ auf alle Bewohner Frankfurts und die Randgebiete zu verteilen. Das Ergebnis ist, dass nicht nur wir hier, am nordwestlichen Stadtrand an manchen Tagen ob des Fluglärms nicht mehr auf der Terrasse telefonieren können. Auch die Bürger, die einst viel Geld für ein ruhiges Zuhause im Taunus hinblätterten, hören sonntags keine Glocken mehr und bei manchem Überflug eines startenden Jets erzittert die Wasseroberfläche ihrer Swimmingpools.

War das schön, als ich sonntags noch die Glocken hörte. Lebensqualität geht anders.

Hier könnt ihr einige Daten über Fluglärm und die Folgen lesen.

Text: ( Fluglärm am Sonntagmorgen ) von Manni

Bild: ( Fluglärm am Sonntagmorgen als Bilddokument statt einer Audiodatei ) von Manni

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2 Kommentare

  1. Sabienes sagt:

    Bei uns sieht der Himmel an manchen Tagen ganz ähnlich aus, obwohl wir nicht direkt am Flughafen wohnen (aber im Einzugsgebiet) Und manchmal, wenn ich so in den Himmel schaue, möchte ich die Kästchen zwischen den einzelnen Kondensstreifen ausmahlen 😉
    Aber wenn man gegen Fluglärm und sonstigen Belästigungen durch den (Frankfurter) Flughafen ist, darf man nicht in den Urlaub fliegen. Das ist nämlich die Schattenseite an einem schicken Urlaub irgendwo im Süden …
    LG
    Sabienes

    • Manni sagt:

      Ich bin einige Jahre beruflich geflogen, aber nicht sehr oft in den Urlaub. Schließlich gibt es ja auch noch andere Verkehrsmittel und auf unserem Kontinent auch viel zu sehen. Außerdem bin ich, auch wegen des nicht vorhandenen Fluglärms, vor über 20 Jahren in den Nordwesten Frankfurts gezogen. Das der Fluglärm irgendwann hier ankommt, war damals nicht zu erwarten. 🙁
      So ging das auch Leuten im Taunus, die viel Geld für die Plätze mit Ruhe bezahlten. Übrigens bin ich in der Innenstadt aufgewachsen und bin einmal rund um Frankfurt gezogen, der Nordwesten war 40 Jahre die Oase der (gefühlten) Ruhe.

      Übrigens ist es mehr das (unsinnige) Frachtaufkommen für Waren deren Flugzeuge viele unsinnige Güter transportieren, das für die enormen Steigerungen der Start- und Landefrequenz sorgt und die Flugzeuge könnten seit Jahren mit weniger Geräusch starten und landen.

      Ich darf also meckern. 🙂