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Gefahr auf dem Schulweg: Eltern

mit dem Erst-komm-ich-Syndrom

von: Manni - 15•11•12

 „Welche Gefahr auf dem Schulweg ist wohl die größte?“, habe ich mich vor einigen Monaten mal gefragt, als der Schulweg meines 7-jährigen Sohnes noch gefährlicher wurde, als er das sowieso schon ist. Nein, wir wohnen nicht an einer Autobahn und mein Sohn besucht, wie meine (inzwischen 14-jährige) Tochter vor ein paar Jahren eine Grundschule (Ebelfeldschule), die in nur 5 Minuten zu Fuß zu erreichen ist.

Gefahr auf dem Schulweg - Gleich mehrere Gefahren gleichzeitig bewältigen

Gefahr auf dem Schulweg – Mehrere Gefahren gleichzeitig bewältigen – Zum Vergrößern aufs Bild oder hier klicken

Gefahr auf dem Schulweg, warum?

Können wir uns nicht jeder Gefahr auf dem Schulweg entledigen? Nein!

Wir wohnen in einer Reihenhaus-Siedlung (Ernst-May) aus den 1930er Jahren, die in den 70er und 80er Jahren eine neue Anbindung, mit damals mo(r)dernen Straßen und öffentlichem Schienenverkehr erhielt. In dieser „Zeit der Bausünden“ wurde dem Individualverkehr klar die Vorfahrt eingeräumt. Das heißt, dass alles auf motorisierte Bewegung ausgerichtet war, der Mensch als Fußgänger und Radfahrer war ein lästiges Verkehrsproblem.

Seit dieser Zeit wurden an den unsinnigen Brücken, Unterführungen, falsch gesetzten Ampeln und Zebrastreifen, Fahrradwege mit viel zu hohen Auf- und Abfahrten, Haltestellen mit möglichst großen Barrieren für Behinderte, und Bahnen mit Türen, die keinen brauchbaren Kinderwagen hineinließen, nur Minimalkorrekturen durchgeführt, die nicht viel kosten.

Rollstuhlfahrer und Kinderwagen schiebende Eltern können jetzt mit der Bahn fahren.

Tote und verletzte Kinder gab es auf diesem Schulweg schon

Hans Frick, ein Frankfurter Schriftsteller, den ich Ende des letzten Jahrhunderts persönlich kennenlernte, beschrieb in einem seiner Bücher den tödlichen Unfall seines Sohnes und seinen Umgang mit dieser Situation. Dieser Unfall ereignete sich auf dem Schulweg meines Sohnes.

Wie umgeht man die Gefahr auf dem Schulweg?

Es gibt 2 Wege, um zu dieser Grundschule zu kommen.

  1. Die Kinder können eine 4-spurige, viel befahrene Straße mit U-Bahn-Gleisen in der Mitte an einer Ampelanlage überqueren, an der sie auch noch Abbieger aus Seitenstraßen beachten müssen, die oft die rote Ampel übersehen.
  2. Sie gehen ein kleines Stückchen weiter und unterqueren die gefährliche Straße durch eine hässliche, stinkende Unterführung, in der schon manch ein Triebtäter sein Glück versuchte und alten Frauen die Handtaschen geklaut werden.

Seit einigen Jahren wird von Schule und Hort empfohlen, die 2. Möglichkeit zu nutzen. Haben die Kinder die Unterführung hinter sich, müssen sie mitten in einer schlecht einzusehenden Kurve, die nächste Straße an einer Ampel überqueren, die auch noch regelmäßig den Dienst quittiert.

Gefahr auf dem Schulweg - Noch mehr Gefahren am Zebrastreifen

Gefahr auf dem Schulweg – Noch mehr Gefahren am Zebrastreifen

Der dann folgende Zebrastreifen an einer weiteren Straße erfordert wiederum höchste Aufmerksamkeit des Überquerenden, da dieser ebenfalls nicht glücklich gesetzt wurde.

Warum sind die Eltern eine Gefahr auf dem Schulweg?

Als im November letzten Jahres auch noch eine Großbaustelle unmittelbar an der Schule hinzukam, die zu Blokaden des Gehwegs führten und die Kinder auf die Fahrbahn schickten war mir klar, dass ich Erst- und Zweitklässler weiterhin begleiten würde und kümmerte mich beim Ordnungsamt um Abhilfe. Der Stress, den die Bauleute bekamen, führte übrigens zu Beschimpfungen und Bedrohungen der Eltern durch die Bauarbeiter.

Was ich schon lange lächerlich fand, mir aber durch die Baustelle erst richtig bewusst wurde ist, wie viele Eltern ihre Kinder mit dem Auto bis vor das Schultor fahren müssen. Da diese Straße auch noch eine Sackgasse ist, die nur einspurig befahren werden kann, werden die Gehwege befahren und zugestellt, auf denen sich die zu Fuß gehenden Kinder bewegen. Die Eltern, die mit dem Auto ihre Kinder anliefern sind auch die, die regelmäßig die roten Ampeln auf dem Schulweg missachten. Wenn das Schultor mal offen ist, damit Handwerker besser zu den Schulgebäuden kommen, fahren diese Beknackten sogar auf den Schulhof. Sie, die Eltern sind die wirkliche, dauerhafte und wachsende Gefahr auf dem Schulweg.

So viele bescheuerte, nur an sich selbst und ihre eigenen Kinder denkende Eltern machen mich ein wenig ratlos. Wir wohnen doch in einer Großstadt, in der wir immer eine Grundschule in der Umgebung haben, die auch zu Fuß erreicht werden kann. Sehe ich mir an, wie die fetten Eltern und ihre ebenso fetten Kinder sich in quälenden Bewegungen aus ihren Mittelklassekarren quetschen und sich breitbeinig, schenkelreibend um Gehbewegungen bemühen, denke ich darüber nach, wie diese degenerierten Menschen in ein paar Jahren unser Gesundheitssystem belasten werden.

Ich hoffe, ein paar der Uneinsichtigen lesen das und fühlen sich angesprochen. Sollten einige sich hier beleidigt fühlen, biete ich ihnen Satisfaktion im Morgengrauen auf dem Schulweg an, den fahren sie ja jeden Morgen.

Manni bietet Satisfaktion - Fotomontage erstellt mit Photofunia

Manni bietet Satisfaktion – Fotomontage erstellt mit Photofunia

Text: ( Gefahr auf dem Schulweg: Eltern mit dem Erst-komm-ich-Syndrom ) von Manni

Bilder: (Gefahr auf dem Schulweg – „Mehrere Gefahren gleichzeitig bewältigen“, „Noch mehr Gefahren am Zebrastreifen“ und „Manni bietet Satisfaktion“ ) von Manni

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3 Kommentare

  1. Sabienes sagt:

    Ein tolles Bild! (Das Terminator-Foto).
    Und ein noch besserer Beitrag!
    Ich wohne gegenüber eines Kindergartens und beobachte diese Verkehrssituation zu den Bring- und Abholzeiten ähnlich.
    Andererseits sollte es in jeder Stadt möglich sein, seine Kinder auf einen sicheren Schulweg laufen zu lassen. So eine verpisste Unterführung ist für mich ein Ding der Unmöglichkeit.
    Man hat im Übrigen festgestellt, dass Kinder, die selbsttätig in die Schule laufen – und auch wieder heim – weniger zu Aggressionen neigen und sich besser konzentrieren können.
    LG
    Sabienes

    • Manni sagt:

      Mein Sohnemann will und kann auch mal alleine gehen, aber nicht zum Anfang des Schuljahres. Da sind nämlich mehr gefährliche Eltern vor der Schule unterwegs und die Baustelle ist immer noch da. Er geht übrigens mit 2, drei anderen Mitschülern zusammen in den Hort. Sein Hort und Kindergarten ist übrigens auch von diesem Verkehr betroffen.

  2. Manni sagt:

    Hier habe ich für Interessierte mal eine Kurzinfo „Henri“ von Hans Frick:

    „Am 14. Juni 1968 wird Henri Frick, zehn Jahre alt, auf einem Zebrastreifen in Frankfurt von einem Auto angefahren und schwer verletzt. Er verblutet auf der Straße, weil der Rettungswagen durch starken Verkehr behindert, zu spät eintrifft: ein ungewöhnlicher Unfall, das Delikt heißt fahrlässige Tötung, die Verzweiflung der Betroffenen stößt auf Verständnis.

    Am Tag darauf, dem 15 Juni 1968, wird wie an allen folgenden Tagen wieder eine bestimmte, statistisch vorausberechenbare Anzahl von Kindern auf den Straßen der Bundesrepublik getötet werden. Das Buch, das Hans Frick in Erinnerung an seinen Sohn geschrieben hat, ist Klage und Anklage zugleich. Anfangs betäubt von Erschütterung und Schmerz,nicht darauf vorbereitet, das Kind plötzlich nur im Gedächtnis zu finden, versucht der Vater, die kurze gemeinsame Vergangenheit zu wiederholen. Spiele, Gespräche, Spaziergänge, die Selbstverständlichkeit des Alltags werden dabei mehr und mehr fragwürdig: das entsetzliche Ende ist für Frick kein Zufall, kein Schicksalsschlag.

    Er klagt die Grausamkeit einer Gesellschaft an, in der Egoismus eine Tugend, in der es selbstverständlich ist, sich auf Kosten anderer durchzusetzen. Die Opfer der allgemeinen Rücksichtslosigkeit zählen nur als Übel,das unvermeidlich ist. Henri, wird in der der Grabrede gesagt, ’starb an uns‘.“