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Cläre Bechtel

Auf den Spuren einer Frankfurter Künstlerin

von: Manni - 20•11•12

Seit ca. 16 Jahren wohne ich in der Siedlung Westhausen im Frankfurter Stadtteil Praunheim. Hier plante der Architekt Ernst May den zwischen 1929 und 1932 gebauten moderaten Wohnraum. In diesem Gebiet gründete die Künstlerin Cläre Bechtel in den 50er Jahren den Verein „Frankfurter Künstlerkolonie“ um im zerstörten, wohnraumarmen Frankfurt der Nachkriegszeit, eine Siedlung für Künstler zu schaffen, deren Häuser auch Ateliers beinhalten sollten. Die Stadt Frankfurt unterstützte dieses Vorhaben nur mit geringen Mitteln.

Cläre Bechtel - Frauenskulptur vor der Künstler Kolonie in Praunheim

Cläre Bechtel – Frauenskulptur vor der Künstler Kolonie in Praunheim
Hier oder aufs Bild klicken vergrößert.

Dennoch wurden die 10 Häuser an den Pflanzländern gebaut, auch weil Cläre Bechtel hartnäckig darum kämpfte. Die Bauten waren von nüchterner Architektur und fügten sich wunderbar in ihre naturnahe Umgebung ein. Schon Baurat Ernst May hatte eine Künstlerkolonie in Frankfurt geplant, die jedoch nicht gebaut wurde. Inzwischen wohnen dort meines Wissens keine Künstler mehr und die Häuser sind nicht mehr in ihrer ursprünglichen Form erhalten.

Astrid Kumpfe: Fasziniert und beeindruckt von Cläre Bechtel und der Künstlerkolonie

Cläre Bechtel - Frauenskulptur in Praunheim (nah)

Cläre Bechtel – Frauenskulptur in Praunheim (nah)
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Im Herbst dieses Jahres veröffentlichte Astrid Kumpfe ihr Buch „Frankfurter Künstlerkolonie e.V.“, das die Geschichte dieser kleinen Siedlung und das Engagement von Cläre Bechtel würdigt. Astrid Kumpfe hat auch mit den Nachkommen der Künstler und den heutigen Bewohnern gesprochen und ein interessantes, gut recherchiertes Bild der Frankfurter Künstlerkolonie gezeichnet.

Die ISBN des Buchs: 978 39 21 60 63 64. Hier kann es direkt bei der Autorin erworben werden. Website: akd-ffm.de

Künstlerische Spuren von Cläre Bechtel in Frankfurt

Als ich vor ein paar Monaten wieder einmal vor der Skulptur einer Frau stand, die Cläre Bechtel schuf und heute vor einem der Häuser der Künstlerkolonie steht, weckte dies mein Interesse an ihr. Diese Figur machte einen sehr nachdenklichen, meditativen Eindruck auf mich, fast wie eine mir bekannte Darstellung von Shivas Gemahlin Parvati. Ich fand diese Frau ein Foto wert.

Pelikanbrunnen in der Albert-Schweitzer-Schule von Cläre Bechtel

Pelikanbrunnen in der Albert-Schweitzer-Schule von Cläre Bechtel
Hier oder auf das Bild klicken führt zum Original – ©Albert-Schweitzer-Schule

Bald recherchierte ich über mehr Kunst von Cläre Bechtel in Frankfurt, fand aber öffentlich bis jetzt nur noch den Pelikanbrunnen auf dem Hof der Albert-Schweitzer-Schule in der Siedlung „Frankfurter Berg“. Das eine oder andere Werk von Cläre Bechtel wird noch in Katalogen von Auktionshäusern gezeigt. Der Rest ist wohl im Privatbesitz.

 

Text: ( Cläre Bechtel – Auf den Spuren einer Frankfurter Künstlerin ) von Manni

Bilder: ( 2 x Cläre Bechtel – Frauenskulptur ) von Manni

Creative Commons Lizenzvertrag

Bild mit vom Blogstandard abweichenden Rechten: ( „Pelikanbrunnen“, Fotograf: unbekannt, © Albert-Schweitzer-Schule, Frankfurt am Main.)

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3 Kommentare

  1. ExFrankfurter sagt:

    Bitte korrigieren Sie den Fehler: Ernst May war von 1925 bis 1930 als Stadtplaner und Städtebauer in seiner Geburtsstadt Frankfurt am Main tätig. Er plante also keineswegs „zu Beginn der NS-Zeit moderaten Wohnraum“. Die Nationalsozialisten und Deutschnationalen feindten May bereits Ende der 1920er massiv an. Die NS-Zeit begann bekanntlich 1933. Ernst May war als moderner Architekt, der zudem ab 1930 in der Sowjetunion tätig war, vom NS-Regim verfolgt. Ihn mit Planungen der NS-Zeit in Verbindung zu bringen, die für diese Gegend nicht gab, ist mindestens fahrlässig. Man könnte auch dumm dazu sagen. Bitte korrigieren Sie umgehend diesen Quatsch. Mein Kommentar muss dann hier auch gar nicht weiter erscheinen.

    • Manni sagt:

      Lieber Herr Edelmann,

      ich bin über Ihren unwirschen Kommentar nicht erfreut. Ich habe Ernst May nicht in die Ecke der Nationalsozialisten gestellt, sondern bin falschen Informationen bei meiner Recherche aufgesessen. Das kann passieren (sollte es natürlich nicht) und ich habe die Jahreszahlen der Planung und des Bauens nach einer erneuten Recherche geändert.

      Allerdings weise ich den Vorwurf der Fahrlässigkeit oder gar Dummheit meinerseits vehement zurück. Wenn Sie berechtigte Korrekturen einfordern, dürfen Sie gerne Anstand und Höflichkeit wahren. Fehler sind menschlich.

      In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen schönen Tag.

  2. ExFrankfurter sagt:

    Sorry, ich wollte Ihnen nicht zu Nahe treten. Ihre Korrektur war aber schon sehr wichtig. Wie schon angedeutet können Sie gern unsere Kommunikation löschen. Es ist schön, wenn die Geschichte der Stadt – gerade auch ihre kulturelle Seite – heute noch von engagierten Bürgern dokumentiert wird. Mir ging es um die historisch richtige Einordnung. May und die Architektinnen und Architekten mit denen er zusammen arbeitete, aber auch die Politiker der 1920er Jahre, die die Siedlungen möglich machten, wurden zu ihrer Zeit extrem angefeindet. Deshalb war es mir wichtig, dass die Leistung Mays nicht seinen Gegnern zugerechnet wird. Selbst nach dem Krieg waren die Siedlungsbauten für viele ein ästhetisches Problem. Während in Berlin viele Siedlungsbauten der 1920er Jahre zum Weltkulturerbe erklärt wurden, überlasst man die Pflege und Weiterentwicklung der Frankfurter Siedlungen noch immer den Wohnungsbaugesellschaften und ihren wirtschaftlichen Erwägungen.
    Und auch das soziale Konzept Mays passte vielen nicht. Heute erscheint uns das eher merkwürdig. Entschuldigen Sie nochmals, dass ich da so massiv wurde.
    Auch Ihnen einen schönen Tag.