Amazon, das tolle Online-Kaufhaus?

Ein Blick hinter die Kulissen

Amazon Standort Leipzig
Standort Leipzig

Ja, es geht um Amazon, ich bitte Euch, lest erst mal und klickt dann weg, wenn ihr noch könnt.

Wir deutschen Arbeitnehmer sind in den mehr als 60 Jahren Bundesrepublik immer sehr stolz auf unsere Errungenschaften in einer weitgehend sozialen Wirtschaftsstruktur gewesen. Ich meine damit nicht, dass ich eine 10-Stunden-Arbeitswoche für erstrebenswert halte.

Trotzdem sollten Unternehmer und Unternehmen sich ihrer sozialen Verantwortung bewusst sein und danach handeln.

„Dieses Online-Kaufhaus tut das überhaupt nicht.“ Dies belegt heute bereits der zweite kritische Beitrag in der ARD zum Thema Amazon.

Bei Amazon kaufen ist so schön bequem.

Wir alle kennen das, schließlich haben wir fast alle schon dort gekauft und tun das noch. Da finde ich fast alles und meist zu einem guten Preis. Der Service gut und schnell, Reklamationen werden oft genauso gut und schnell erledigt.

Müssen wir uns da mit Hintergründen beschäftigen, die unbequem für uns sind? Ich finde ja.

Wie geht es den Mitarbeitern des Hauses Amazon?

Dieses Haus ist nun mal in seinem Ursprung und seinen Strukturen typisch amerikanisch. Der Moneymakergedanke steht da immer über der Belegschaft.

Mitarbeiter sind dort nicht mehr als Maschinen wert und werden oft auch wie solche behandelt.

Beispiele solcher Strukturen amerikanischer Unternehmen in Deutschland gibt es ja genug: Mac Donalds, Walmart, Douglas etc.. Das ist auch bei dem Internet-Lieblings-Kaufhaus der Deutschen nicht anders.

Ja, ich weiß, es gibt auch deutsche Unternehmen mit ähnlichen Strukturen. Diese sind aber erheblich dünner gesät.

Ein Beispiel für die verfehlte Personalpolitik ist das Abschaum-Unternehmen Schlecker gewesen, dem Politiker und Banker jahrelang in den Allerwertesten gekrochen sind.

Als die Öffentlichkeit, durch einige kritische Medien, auf die Zustände in diesem Unternehmen aufmerksam wurde, kauften immer weniger Menschen bei diesen Schindern.

Das und eine geisteskranke Führung führten zum Ergebnis: Schlecker ist weg!

Amazon: Medien-Interesse unerwünscht?

Vor mehr als einem Jahr schon deckte Report aus Mainz einige Hintergründe der Personalpolitik von Amazon in Deutschland (Hier klicken um die Sendung (5:44 Min.) zu sehen) auf.

Der Internetriese bedient sich da der, gesetzlich miserabel geregelten, befristeten Arbeitsverträge, um Druck auf Mitarbeiter auszuüben und die Festkosten möglichst weit unten zu halten. Das mit den Kosten ist ja aus unternehmerischer Sicht noch verständlich, wenn die Verhältnisse stimmen würden.

Die für den Standort Bad Hersfeld bekannten und erschreckenden Zahlen gelten wohl ähnlich in allen anderen Filialen: 2 Drittel der Beschäftigten haben nur befristete Arbeitsverträge. Oft werden nach Ablauf der Frist erneut befristete Arbeitsverträge gemacht. Bloß niemanden fest einstellen.

Die „dunkle Seite der Macht“ von Amazon erneut im Scheinwerferlicht

Mit welcher Arroganz die Unternehmensleitung den Medien begegnet, ist schon ungeheuerlich. Die Methoden von Amazon sind seit der o.g. Report-Sendung noch schlimmer geworden. Die ARD hat diesen Führungsmethoden jetzt eine eigene Sendung gewidmet.

Seht heute am 13.02.2013 um 22:45 die Sendung:

Ausgeliefert! Leiharbeiter bei Amazon – Update!!! (Hier könnt ihr das in der Mediathek der ARD sehen)

Amazon toppt nicht nur im Internethandel. Auch in der Misshandlung und Ausbeutung von Mitarbeitern ist das Unternehmen auf einem Spitzenplatz in Deutschland. Wer es heute nicht schafft, findet die Sendung bestimmt noch in der Mediathek der ARD.

Das wichtigste Medium für das Unternehmen ist das Internet. Also Blogger und sonstige Internet, Buch- und Multimediafreunde:

Ihr müsst nicht nur auf Amazon verlinken!
Ihr müsst nicht nur bei Amazon kaufen!
Ihr müsst nicht nur bei Amazon verkaufen!

Ist das zu schaffen?

Hier ist ein Update vom 19.02.2013: Amazon-Update

Text: (Amazon, das tolle Online-Kaufhaus? – Ein Blick hinter die Kulissen) von Manni
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Bild mit vom Blogstandard abweichenden Rechten attribution share alike : (Amazon Standort Leipzig [Ausschnitt]) von Medien-gbr

9 Kommentare

    • Wer online shoppt, liebt Amazon. 🙂 Dennoch muss man sich da so seine Gedanken machen. 🙁

      Seit ich mitbekam, wie sie mit dem „Kunden“ wikileaks umgesprungen sind …

      LG
      Manni

  1. Ich habe gestern den Bericht gesehen und leider fand ich ihn ziemlich flach, gemessen an der Bedeutung und der Thematik.
    Andererseits ist es nur natürlich, dass sich ein Unternehmen wie Amazon die in Deutschland herrschende Gesetzgebung bis an die Grenzen ausnutzt.
    Diese erlaubt Leiharbeiter genauso, wie sie keinen Mindestlohn festlegt.
    Und da sollte man wirklich mal ansetzen!
    LG
    Sabienes

    • Mitarbeiter aus dem Ausland anzuwerben, sie in Ställen zu halten und deren Privatleben auch noch zu kontrollieren ist ungesetzlich. Da brauchen wir den schwarzen Peter nicht rumzureichen. Das ist asozial, aber bequem für uns Kunden, gelle?

      Augen zu und durch.

  2. Es ist halt immer naiv von uns Kunden zu glauben, dass bei niedrigen Preisen der Unternehmer oder die Anteilseigner ein bisschen von ihrem Verdienst hergeben.
    LG

    • Naja, soll jeder Geld verdienen, aber die Mitarbeiter sollten wenigsten wie Menschen behandelt werden und einen „normalen“, also einen Mindestlohn bekommen. So lange wir unsere Politik so machen lassen, wie in den letzten 15 Jahren, führt uns das zurück zur Leibeigenschaft.

      LG
      Manni

  3. Ich bin auch ein bisschen geschockt, liebe ich doch das bequeme shoppen bei Amazon. Nun muss ich aber auch sagen, dass auch sehr, sehr viele deutsche Unternehmen den amerikanischen Moneymakergedanken übernommen haben und konsequent leben. Ich wohne in einer Region Deutschlands wo das Lohnniveau schon ziemlich gering ist und wo ich mich manchmal frage, wie ein einfacher Arbeiter mit dem, was er monatlich in der Lohntüte hat eine Familie ernähren kann. Da geht es oft nicht ums Leben sondern ums Überleben. Schuld ist die Politik, die so etwas zuläßt. Meiner Meinung nach sollte ein Vollzeitarbeitsplatz zum Überleben reichen, aber das ist leider nicht mehr die Regel.

    • Tja, das ist auch ein Teil europäischer Politik. Dennoch bleibt die „Menschenhaltung in Ställen“ mit jederzeitigen Kontrollen auch im privaten Bereich menschenunwürdig und verletzt die Menschenrechte. Auch Schlecker hat da ja so einiges versucht. Gekippt ist Schlecker auch wegen der Abstrafung durch die Kunden in Bezug auf die miserablen Zustände im Bereich Mitarbeiter.

      LG
      Manni

  4. Wenn man sieht, wie wenig die Leute dort verdienen, sollte man das nicht noch unterstützten.
    Am besten wieder in den Laden um die Ecke gehen und wie früher mit vollen Tüten nach Hause kommen

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