Amazon-Update

Ein Blick hinter die Kulissen 2

Vor ein paar Tagen veröffentlichte ich hier im Blog: Amazon, das tolle Online-Kaufhaus? Ein Blick hinter die Kulissen. In diesem Artikel wies ich auf eine Reportage der ARD hin, in der Amazon, in Bezug auf den Umgang mit seinen Mitarbeitern und die Vertragsgestaltung seines Personals, nicht gut weg kam.

Amazon Standort Leipzig
Amazon Standort Leipzig

Gestern erhielt ich von Sabienes eine E-Mail, die eine Stellungnahme von Amazon zu diesen Vorgängen beinhaltete. Wie die meisten von uns Bloggern, shoppt auch sie gerne im Netz und natürlich auch bei Amazon. Viele von uns lesen und empfehlen gerne Bücher und verlinken dadurch auch immer wieder zu Amazon. Wir kaufen Geschenke und füllen Wunschlisten, alles bei Amazon.

Sabienes war wie wir alle ein wenig geschockt, ob des Berichts der ARD und wagte eine Vorstoß in Form einer E-Mail an Amazon.

Mit Sabienes freundlicher Genehmigung veröffentliche hier mal ihre Frage und die Antwort von Amazon:

  • Die Frage von Sabienes:
    Hallo Amazon,mich würde interessieren, ob Sie nicht zu diesem Bericht in der ARD vom 13.02.13 über die Arbeitsbedingungen, die bei Amazon herrschen, Stellung nehmen möchten?
  • Die Antwort von Amazon:
    Sehr geehrte Kundin /sehr geehrter Kunde,vielen Dank für Ihre E-Mail zum ARD-Bericht „Ausgeliefert! Leiharbeiter bei Amazon“.

    Über 7.700 festangestellte Mitarbeiter arbeiten in den deutschen Amazon-Logistikzentren, in der Weihnachtssaison stellen wir zusätzliche Amazon-Mitarbeiter saisonal befristet ein. Diese Mitarbeiter unterstützen uns, um die erhöhte Anzahl an Kundenbestellungen in Spitzenzeiten zu bewältigen. Gleichzeitig haben wir dadurch die Möglichkeit, potenzielle neue langfristige Mitarbeiter kennenzulernen und gemäß unserem zukünftigen Wachstum einzustellen. In absoluten Spitzenzeiten arbeiten wir darüber hinaus mit Zeitarbeitsfirmen zusammen.

    Alle Mitarbeiter, die länger als ein Jahr in den Amazon-Logistikzentren in Deutschland arbeiten, verdienen über 10 € brutto pro Stunde; im ersten Jahr über 9,30 € brutto. Die in dem Beitrag erwähnten Mitarbeiter aus Spanien, die über eine Zeitarbeitsfirma im Logistikzentrum Bad Hersfeld beschäftigt wurden, verdienten bei einer 37,5 Stunden-Woche 1.400 € brutto im Monat, in der Nachtschicht bei 32,5 Wochenstunden 1.500 Euro im Monat. Diese Beträge wurden per Vertrag auch dann bezahlt, wenn nicht die volle vertragliche Stundenzahl angefordert wurde.

    Wir nehmen die Sicherheit und das Wohlergehen unserer Mitarbeiter sehr ernst und überprüfen externe Dienstleister, die die Unterbringung von Saisonkräften aus anderen Regionen verantworten, regelmäßig. Wichtig ist uns hier auch die Rückmeldung unserer Mitarbeiter: Wann immer Mitarbeiter uns über Verbesserungsmöglichkeiten im Rahmen der Arbeitsbedingungen oder der Unterbringung informieren, prüfen wir dies umgehend.

    Amazon duldet keinerlei Diskriminierung oder Einschüchterung. Auch wenn das Sicherheitsunternehmen nicht von Amazon beauftragt wurde, prüfen wir derzeit selbstverständlich den von den Redakteuren gemachten Vorwurf bezüglich des Verhaltens des Sicherheitspersonals und werden umgehend geeignete Maßnahmen einleiten.

    Unser Ziel ist es, Bestellungen unserer Kunden jederzeit schnell und zuverlässig auszuliefern. Wir wissen: Das geht nur mit zufriedenen Mitarbeitern – unabhängig davon, ob sie langfristig beschäftigt, saisonal angestellt oder uns über eine Zeitarbeitsfirma unterstützen. Sie können sicher sein, dass wir jedem Vorfall in unseren Logistikzentren und im Umfeld, der uns von Mitarbeitern zur Kenntnis gebracht wird, nachgehen und bei Bedarf umgehend Verbesserungen einleiten.

    Weitere Informationen zur Arbeit in unseren Logistikzentren finden Sie unter www.amazon.de/logistikzentren.

    Viele Grüße Myriam Birnstiel

Offenbar haben noch mehr Kunden und Partner bei Amazon angefragt, die Anrede deutet jedenfalls darauf hin. Feststeht, dass Amazon sich mit diesen Vorwürfen auseinandersetzt und offensichtlich um Korrekturen bemüht ist. Natürlich haben hier Subunternehmen einen erheblichen Anteil am negativen Beigeschmack eines solchen Berichts.

Die eine oder andere Frage bleibt trotzdem offen:

  1. Warum Amazon den Kunden so antwortet, der ARD aber nur lapidare Antworten gegeben hat.
  2. Außerdem wurde vor einem Jahr bereits über die immer neuen Zeitverträge berichtet, mit leeren Versprechungen auf eine Festanstellung. Warum klingt das hier anders?

Wie auch immer, so reagiert ein Unternehmen professionell und hat die Wiedergabe seiner Darstellung ebenso verdient, wie die Berichte der ARD.

Text: (Amazon-Update – Ein Blick hinter die Kulissen 2) von Manni
Creative Commons Lizenzvertrag
(Nicht von Manni: Die Zitate aus dem E-Mail-Verkehr)

Bild: (Bild mit vom Blogstandard abweichenden Rechten attribution share alike : (Amazon Standort Leipzig [Ausschnitt]) von Medien-gbr)

4 Kommentare

    • Ich denke, Amazon weiß um die “Empfindlichkeit” vor allem der deutschen Kundschaft und wird weiter bemüht sein, ein “sauberes” Image zu haben.

      LG
      Manni

  1. Mich wundert es, das so viele alles ARD glauben. Die Person in der Reportage hat ja nun selber gesagt das vieles falsch wiedergegeben wurde!

    Zeitverträge oder noch schlimmer über Zeitarbeitsfirmen sind nie prall. Ich kenne genug Leute die sich über den Stundenlohn von Amazon freuen würden.

    • Willkommen melliausosna,

      ich glaube generell den Medien immer unter Vorbehalten. Welche Person aus welchem Beitrag meinst Du, den diesjährigen oder den vor einem Jahr? Das es wiederholt zu solchen Meldungen kommt, zeigt nur, dass dies die Spitze des Eisbergs ist.

      Ich habe früher viele gute Dauerjobs über Zeitverträge und Zeitarbeitsfirmen bekommen, das kannst Du heute streichen weil die Gesetze krass zugunsten der Unternehmer geändert wurden. Die wollen (fast) keine “normalen” Arbeitsverträge mehr. Der Stundenlohn ist für Aushilfen gerade noch ok, wenn Amazon direkt bezahlen würde. Wenn sich Leute über diesen Stundenlohn schon freuen würden, zeigt das ja auch, wie schlecht es um die Löhne in Deutschland bestellt ist.

      Die Menschen in “Ställe” zu sperren und sie permanent, auch außerhalb ihres Jobs, zu kontrollieren, ist ein Verstoß gegen unsere Grundrechte.

      Das Amazon ansonsten die Gesetze zum eigenen Vorteil nutzt, ist legitim, wenn auch nicht schön.

      Schau mal wieder vorbei.

      LG
      Manni

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