Bei eBay als privater Anbieter verkaufen? Bloß nicht!

Habt ihr auch über die tolle Plattform gejubelt, auf der man problemlos das alte Zeug aus Opas Keller verkaufen konnte?

Im beginnenden 21. Jahrhundert machte eBay von sich reden und jeder der im Internet war, machte mit. Der Hype war ähnlich dem heutigen in Sachen Facebook. Einer leerte seinen Dachboden über eBay. Ein anderer stellte seine Flohmarktverkäufe ein. Alte Schallplatten wurden zu irren Preisen verkauft und alte Bücher erzielten Höchstpreise, die niemand für möglich gehalten hatte. Manch einer wurde zum eBay-Händler und andere zu eBay-Verkaufsagenten.

Onlineshops entdeckten die Plattform eBay und die ersten China-Schrott-Verkäufer etablierten sich. Da gab es Profis ohne Gewerbe und Preiskämpfe bis aufs Blut. Manch einer verlor die Lust, nur noch Geld zu wechseln. Ein Papst-Golf erzielte einen Preis, der eines Ferrari würdig gewesen wäre, und läutete einen enormen Sturm auf Memorabilien ein.
 
Ja, auch ich mischte kräftig mit und verdiente mir „keine“ goldene Nase. Vielleicht stieg ich ein wenig spät ein, vielleicht auch zu früh aus aber ich bin froh, ausgestiegen zu sein. eBay tat lange Zeit nichts für die Händler und ließ so manchen Käufer ins ersteigerte Messer laufen. eBay ist nun einmal ein amerikanisches Unternehmen und verhält sich auch so. Man quetscht den Kunden aus wie eine Zitrone, und wenn der Saft nicht mehr läuft, schmeißt man die Schale in den Müll.
 
eBay kaufte auch einen der wichtigsten Online-Bezahldienste und machte ihn beinahe zum Zwang für Anbieter. Die Rede ist von PayPal. Das ist einer der modernen Wegelagerer, die unverschämt hohe Gebühren für ihren Service verlangen, also legales Raubrittertum verkörpern.
 
Vor einigen Wochen stellten wir in unserem Haus den Keller auf den Kopf und stolperten über diverse Rollerteile und Spielsachen, die niemand mehr brauchte. Da wir zum einen jeden Cent brauchen, zum anderen das Zeug noch etwas wert war, kamen wir auf den unseligen Gedanken, mal wieder eBay als Plattform zu nutzen. Ein „richtiges Geschäft“ haben wir gar nicht erwartet, denn schon lange war klar, eBay ist ein Handelssystem geworden, in dem der Käufer der Gewinner ist, nicht der private Anbieter.

So erlebte ich dann, was andere schon längst hinter sich hatten. Ich stellte mit einigem Aufwand wie:

  • Foto machen,
  • Foto bearbeiten,
  • Einstellen der Artikel mit Detailtexten und dem ganzen Schmonzes

diverse Artikel ein, und hoffte auf ein wenig Glück.

Was als Nächstes kam, waren viele unsinnige Fragen per E-Mail und minimale Ergebnisse. Einige Sachen wurden auch gar nicht verkauft. Nach der ersten Serie eingestellter Artikel zog ich kurz Bilanz. Der Umsatz war deprimierend, ein Blick auf die Kosten in Prozentangaben war niederschmetternd. Knapp 23 % Kosten.
 
Nun damit ihr nicht denkt: „Der hat bloß die falschen Sachen mit zu vielen Optionen eingestellt.“, habe ich mal andere Plattformen für ein paar Artikel aufgesucht, um Vergleichswerte zu bekommen. Auch das ist für eBay ein Schlag ins Kontor. Bei bestimmten Sparten kann man ohne Gebühren einstellen und verkaufen, bei anderen zahlt der Verkäufer 5 – 11 %.
 
Damit aber noch nicht genug. Das Zauberwort „Verkäuferschutz“ auf eBay sorgt für Frust beim Verkäufer. Dahinter verbirgt sich, dass der Verkäufer der Depp ist, der nicht mal bewerten darf, wie beschissen sich der Käufer verhalten hat, oder ob er überhaupt bezahlt hat. Das führt dazu, das Käufer das bis zum Erbrechen ausreizen.
 
Da gibt es Leute, die mein „1-Euro-Angebot“ für Winterreifen mit einem Scheingebot aus dem Verkehr ziehen, um ihre eigenen Reifenangebote zu verkaufen. Es gibt Käufer, die 9,99 € über PayPal zahlen und dann die Ware nicht abholen, selbst nach 10 x hin und her mailen und 4 Terminvereinbarungen. Oder der Käufer zahlt nicht und nach 10 Tagen frage ich mal höflich an und erhalte die Antwort: „Ich hatte Probleme mit dem Online-Banking, aber das geht jetzt wieder. Ich zahle die 18 € umgehend.“ Nach weiteren 12 Tagen geht die Kohle ein, aber nicht 18, sondern 5,50 € (Kaufpreis ohne Versandkosten). Diese Geschichten könnte ich noch weiter erzählen, will ich aber nicht mehr.
 
Scheiß der Hund drauf! Viel Zeitaufwand, kleiner finanzieller Effekt und auch noch eine Menge emotionaler Reizzustände.

Für mich war es das letzte Mal, dass ich über eBay etwas angeboten habe. Ich werde lieber mal wieder den guten alten Flohmarkt besuchen oder Anzeigen in der örtlichen Presse schalten. Vielleicht versuche ich mal andere Systeme im Netz. eBay kann mich mal.

Hier noch ein Artikel von Axel Gronen, der meiner bescheidenen Meinung nach einer der besten eBay-Kenner und eBay-Kritiker ist. Er zählt hier noch andere Gründe auf, die gegen die eBay-Nutzung für private Anbieter stehen.

Private Verkäufer sollten eBay meiden

Übrigens hat es eBay geschafft, das der Duden die Schreibweise „eBay“ als richtig sieht.

1 Kommentar

  1. ebay als privater Verkäufer zu nutzen, ist schon seit einiger Zeit völlig daneben. Auc als gewerblicher Verkäufer bist Du für diesen Laden nur Sklave (siehe Gebühren).

    Mein Fazit:
    ebay schmeckt für den privaten Verkäufer wie ein offenes Bier vom Vorabend: Frisch wars gut, abgestanden hat es sich (nicht nur) geschmacklich verändert.

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